Silvester on Ice… mehr Thrill geht nicht!

Noch bin ich mir nicht sicher, ob man über dieses Desaster schreiben soll. Ob man wirklich erzählen soll, wie doof man war, wie 5 navi-orientierte Grossstädter blind in die Eishölle fuhren? Aber dann ging’s ja doch gut aus, wir werden’s wohl nie vergessen und vor allem, es wird uns nie mehr passieren. Also sehen wir es unter anderem als Mahnung an die Nachwelt (denn ehrlich gesagt glaube ich ja, dass das sehr vielen von uns handygesteuerten Menschen passiert wäre. Basta.). Aber von vorne.

Im Februar entschieden, dass Silvester in einem hübschen Ferienhäuschen gefeiert wird, fiel die Wahl auf Slowenien.

Warum Slowenien? Nun, die Frage hab ich ca. 10 Monate lang beantworten müssen. Es war einfach das einzige Haus -europaweit!!!-, das allen Anforderungen entsprach und noch viel mehr, auch frei war. Selbst im Februar ist es kein Wunschkonzert mehr idyllisch in den Bergen, am besten noch mit Nähe zum netten Skigebiet ein Traumhaus zu bekommen, was man auch noch bezahlen kann.  

Gut, Russland gabs noch was. Franken auch. Aber Russland wollte keiner und aus Franken bin ich.

Dass ich, die zuvor noch dachte ob mir 5 Stunden reine Fahrt, allein -mit 2 Kindern- nicht zu weit sind, am Ende 11,5 Stunden gerockt hatte, hätte ich das gewusst, ich hätte mich vorher schon erschossen.

Aber mei, wenn man halt in den Ferien am Samstag gegen 11 Uhr startet, kann man sich denken, dass das einige andere auch vorhaben. Schon bis zum Chiemsee hatten wir einige Zeit auf der A8 verbracht, eine Autobahn die ich mittlerweile hasse. Jawohl! Meine Güte, was für ein Stau, was für ein Verkehr, hin wie heim und alles auf 2 Spuren! 🙄

Aber ja, auch das weiß man. Wir wussten das auch, wohnen wir ja immerhin in dieser Stadt, die sich wochenends gern mal für paar Stunden Ausflug genauso viele Stunden auf die A8 stellt. Nützt aber dennoch nix, wenn man halt irgendwann ab 16 Uhr ein Ferienhaus in Slowenien beziehen soll oder will.

Unser viel größeres Problem war hausgemacht. Nämlich als leider unser italienischer Freund die italienische Ausfahrt verpasst hat und wir, die andern beiden Autos, solidarisch hinterher sind. Einfach nä. Ausfahrt raus und gut ist der Fauxpas. Was kann schon passieren? Leider kam kilometerlang keine Ausfahrt, sondern erstmal eine Mautzahlstelle. Bis es irgendwann mal wieder eine Möglichkeit gab, die Autobahn zu verlassen, durften wir also schon mal blechen und es hatte sich auch kaum mehr gelohnt zurück zu fahren. Google Maps orientiert sich neu, zeigt uns den neuen Weg, der kilometertechnisch kaum weiter ist, also alles prima. Oder nicht? Im Ernst, wer von euch würde das dann in Frage stellen?

Nun, dass uns der Weg über einen großen Berg führt, einen Pass, der gesperrt war, das wusste Google Maps leider nicht. Die ersten beiden Autos, die um die halbe Straßensperre cruisten, auch nicht. Ich gestehe, ich -Auto 3- dachte mir noch, warum wohl die Strasse so halb versperrt war, aber ich hielt es bei tags 10 Grad und keinerlei Schnee in Sicht nicht für möglich, was uns erwarten sollte. Abgesehen davon trau ich dem Itaker auch zu, dass er das Schild schon seit letzten Winter hier stehen hat und einfach zu faul zum wegräumen war. 🤷‍♀️

Na gut, also in die dunklen Kurven hinterher. Engste Serpentinen, aber alles machbar. Solang machbar bis die ersten Kurven leicht gefroren waren. Mit Schwung alles möglich. Meine Gedanken schweifen dennoch ab, wie das da oben noch werden wird. Aber mitgehangen, mitgefangen und ich war auch langsam zu müde ein Veto einzulegen, weil ich nach nun mehr 7 Stunden endlich mal ankommen wollte.

Tja und dann kam sie, unser aller „Lieblingsstelle“. Wir konnten uns noch nicht einigen ob wir es nun Todes- oder Scheiß-Pass nennen… nach der nächsten Kurve blankes Eis vor uns, über eine lange Strecke (könnte ich nun Entfernungen schätzen, würde ich schreiben wielang, kann ich aber nicht). Wir in jedem Fall alle drüber. Wie zu erwarten kommt das erste Auto irgendwann nicht weiter, wird langsamer… bitte, bitte, bitte nicht auf diesem Eis stehen bleiben! Mir war klar, dass wir hier nie mehr wegkommen. Nicht nach oben. Anfahren auf eisglatter Fahrbahn, bergauf. Unmöglich! Es war vorbei. Wir standen alle. Teilweise schräg auf glattester Fahrbahn (na gut, Fahrbahn nenn ich das nun mal nicht mehr, engste Strasse, schwarz wie die Nacht, abschüssig in eine schwarze Tiefe neben der Leitplanke und OHNE Handy-Netz).

Aussteigen & auf dem Eis zu stehen ohne im Spagat zu enden war unmöglich. Es war spiegelglatt, eh ein Rätsel, wie die Autos überhaupt zum stehen kommen konnten und nicht direkt wieder bergab. 

Ich hatte wirklich Angst. Für meine Nerven reicht das ausgiebig. Zwei Kinder im Auto, keinen Mann der die Nerven behält, nagelneues noch nicht abbezahltes Auto, müde, abgeschnitten von der Aussenwelt, das reicht mir für meinen persönlichen Worst Case. Aber es ist erstaunlich wie man über sich hinauswächst, wenn man einfach muss. Was nützt es? Wir mussten da irgendwie wieder raus kommen.

Es wurde noch beratschlagt ob wir irgendwie versuchen übers Eis weiter zu kommen, weils weiter oben wieder besser schien (Schnapsidee, wie hätte das gehen sollen) oder eben zurück. Nachdem wir also eh kaum weggekommen, ach geh, nie und nimmer weggekommen wären, entschieden wir uns für den Rückweg. Der war tricky… wir mussten versuchen wenigstens mit den rechten Reifen Gripp zu kriegen, auf den Schotter an der Leitplanke zu kommen um nicht schlitternd den Pass rückwärts auf die nä. Schwarze Serpentine zurück zu rutschen.

Im Zentimeter Tempo und Zentimeter-nah an der Leitplanke entlang. Einer Leitplanke deren jenseits wir im dunkeln mit kleinem Handylampenlicht nicht erkennen konnten, nur erahnen, dass es tief hinab ins Tal ging. 

Bei mir klappte das erstaunlich gut, war ich auch das letzte Auto in der Runde und hatte somit die kürzeste Strecke zurück zulegen oder auch die neusten Winterreifen. Nämlich 4 Wochen alt. Aber dennoch, bei solchen Bedingungen im dunkeln einen Pass rückwärts runter (an der Stelle mag ich erwähnen, dass ich nicht mal auf einem leeren Parkplatz gscheit rückwärts fahren kann – noch Fragen?), von DEM Adrenalinkick will ich nun gar nicht reden.

Auto 2 hatte es nicht so gut. Melli rutschte direkt schräg auf die Leitplanke zu, hatte vielleicht noch 5 cm bis zum Blechschaden. Eigentlich unmöglich da wieder wegzukommen. Wir haben stundenlang Eis gepickelt mit einem Klappspaten den Matthias im Auto hatte. Der unser „best Friend“ in dieser Nacht wurde. Also der Klappspaten. Schotter und Laub auf die Strasse, solang zusammen gearbeitet, bis wir alle der Meinung waren, wir können es nun versuchen. Hut ab an alle… wir hatten nichts mehr riskiert, und wenn wir noch mehr Stunden da oben verbracht hätten, wir haben solang gehackt und abgewartet, bis es uns möglich erschien, dass es klappt. Uns gegenseitig, immer der, die am Steuer saß, Mut zugerufen. Im Übrigen haben wir Frauen uns aus dem Desaster gefahren. Die Männer uns hinein. Das muss man an der Stelle nun mal so sagen. Hmm… 🤔

Anyway, ich weiß nicht, wie wir es hinbekamen Mellis Auto wieder gerade zu kriegen. Kinder raus um jedes Gewicht zu sparen, eine am Steuer, die andern 4 am schieben hinter der Leitplanke. Es hat irgendwie geklappt. IRGENDWIE!

Auto 3 war unser größtes Wunder, hatte den größten Schutzengel. Gesichert mit dicken Steinen hinter den Reifen, damit es nicht im Stand zurück rutscht, haben wir auch irgendwie dieses Auto gerade gekriegt. Ich weiß schon gar nicht mehr wie. Aber dann der größte Schreck von allem, was an diesem Tag passiert ist, 10 Meter unkontrolliertes rutschen. 10 Meter…. was soll man da sagen, denken, es ist nicht zu glauben. Ob die Leitplanke hält? Wie tief ist dieses Schwarz dahinter? Geschrei am Steuer, fassungsloses wie hilfloses Zusehen der andern. Wie durch ein Wunder, kommt es wieder zum stehen und zwar so, dass wir auch das Auto heil aus diesem Desaster rauskriegen. Nach … keine Ahnung 3 Stunden?

Das Navi schlägt uns wieder einen neuen Weg vor. Nur ist uns heute nicht mehr nach Abenteuer, wir entscheiden uns den ganzen umsonst gefahrenen Weg wieder zurück zu fahren und auf die reguläre Route zu kommen. Es sind nun 9 Stunden Autofahrt rum. Monoton auf der Autobahn gerade aus zu fahren, ich hab schon mit dem Gedanken gespielt, mir irgendeine schäbige Pension zu nehmen und eine Nacht irgendwo im nirgendwo zu schlafen. Ich bin unglaublich müde. Zwei Stunden Stau, 9 Stunden unterwegs, 3 Stunden in der Kälte auf dem Pass gestanden… aber finde im Niemandsland mal was! Hier steht nicht an jeder Ecke ein Ibis.

Aber dann ging es nach Slowenien und auch der Pass hatte es in sich. Spätestens  dann bist wieder wach! Das war dann das 2. Mal dass wir uns dachten, meine Güte was haben wir für ein Glück, dass es NICHT schneit!!! Es wäre unmöglich gewesen unser Ziel zu erreichen. Tja, ich werde sicher nie mehr irgendwohin fahren um nicht vorher zu checken, was ich für Straßen zu fahren habe. Nicht im Winter!!! Es hätte nochmal so in die Hose gehen können. Nicht auszudenken.

Nach 11,5 Stunden haben wir dann unser Traumhaus erreicht und das hat alle Erwartungen übertroffen. Einsam am Berg gelegen, war es wohlig warm geheizt (naja, die Hausherrin hatte uns ja auch 5 Stunden früher erwartet 😬), bot 7 herrliche Zimmer, einen hübschen Wohnraum und hatte alles was man braucht. Eigentlich dachte ich, dass wir alle nur noch ins Bett fallen. Aber wer uns kennt, weiß dass wir unser Desaster erstmal noch bis 3 Uhr morgens verdauen mussten mit diversen Limoncellos, Jägermeistern und Weißwein… endlich da.

Fortsetzung folgt!

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