Geschichte erleben – Berlin Oktober 2018

Dass das hier zum Geschichtsblog wird, hätte ich nun auch nicht gedacht. Aber du entkommst ihr nicht. Der Geschichte. Der Vergangenheit. Nicht in Berlin. Und das ist gut so. 

Heute morgen hab ich mir ein Hop on – Hop off Ticket der klassischen Sightseeing Busse geholt. Ich hätte mir auch am Hotel ein Fahrrad nehmen können und an sich ist die Idee mit dem Radl ja gut. Aber nachdem ich ja vom Hundertsten ins tausendste komme, immer wieder umschwenke, den eigentlichen Plan ändere, ist es unpraktisch mit Rad. Ich müsste es immer wieder holen, absperren, mit schleppen. Und wenn ich mir die fetten Fahrradketten ansehe, dann ist es wohl auch besser das Rad abzusperren.

Und diese Busse haben ja schon auch Sinn, gerade wenn man eine Stadt erkunden will, all ihre Sehenswürdigkeiten. Mein 1. Stopp war heut der Alex. Den ich dann auch gleich ausließ. Das Ticket hoch auf den Fernsehturm hätte 15 Euro gekostet, noch dazu Wartezeit. Wozu? Mag der Blick von oben bestimmt ganz nice sein, aber es gibt in Berlin auch noch andere Aussichtsplattformen, die nichts oder weniger kosten. Wenn auch nicht so hoch, denn der Alex ist tatsächlich das höchste Gebäude Deutschlands, also sowas wie der Burj al Arab in Dubai. Ich geb’s zu, ein wenig hinkt der Vergleich.

Ich hab mir dafür die Plattform des Berliner Doms reingezogen, mit 181 Stufen war auch noch Sport dabei. Die Kirche ist wunderschön, Grabstätten in ihrem Keller, alles modern dargestellt, Geschichte so aufbereitet, dass man sie auch gern hört. Selten so eine lässige Darstellung von einem kirchlichen Werdegang gesehen. Martin Luther als Superman dargestellt. Ein Held seiner Zeit. Überleg direkt wieder der Kirche beizutreten, immerhin scheint das Evangelium nachsichtiger als der Katholizismus. Aber keine Sorge, mit Kirchengedöns fang ich nun nicht auch noch an.

Ums Eck ist gleich das Nikolaiviertel, die Wiege Berlins. Hier mach ich meinen ersten Spritz Stop. Im Vorfeld hatte ich mir so viele nette Bars, Cafés und Restaurants ausgesucht. Aber immer wenn ich in deren Nähe bin, hab ich entweder andere Pläne oder keinen Hunger. Und nachdem ich nicht zum essen nach Berlin kam, sitz ich meistens irgendwo. Nicht wirklich erwähnens- oder empfehlenswert. Auch wenn dieser Panini Laden im Nikolaiviertel mit seinen Strandkörben wirklich hübsch war.

Mein nächster Stopp war die Willy Brandt Stiftung. Eher durch Zufall reingestolpert, weil der Bus davor hielt. Mir war er tatsächlich nur als Kettenraucher in Erinnerung, aber zu lesen, was er alles gutes vollbracht und auch umgesetzt hat. Chapeau, hast n neuen Fan Willy! (Jaja schon gut, dass er schon tot is weiß ich).

Nicht weit davon ist das Denkmal der ermordeten Juden Europas. Das war definitiv auf meiner Must See-Liste. Ein Ort an dem du wirklich schwer schlucken musst. Ein Mahnmal, was in unserem Land, durch unsere Regierung verursacht wurde. Der Tod an bis zu 6.000.000 Menschen. Unter all den Stelen ist das Zentrum der Information. Ein Hochsicherheitstrakt, ähnlich eines Flughafens und von da aus kannst du, wieder einmal kostenfrei, das Unheil der Geschichte von Anfang bis Ende, mit vielen einzelnen Schicksalen, gefundenen Briefen, Bildern des Grauens nachgehen. Es ist schrecklich. Ein Glück ist es dunkel, ich kann nur ahnen wievielen hier die Tränen in den Augen stehen. Zu recht. Ich kann nicht glauben, dass es irgendwen hier unten kalt lässt. Es ist grauenvoll das alles zu sehen. Es ist unfassbar wie sowas zustande kommen konnte. Dass Menschen zu sowas in der Lage sind.

Und weils wieder mal an dieser Stelle fehl am Platz wäre, weiterzuschreiben, über das blühende Leben, gibts morgen den 2. Teil … Gute Nacht, Berlin!

 

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